Über 100 Jahre in Isernhagen-Süd -- nachweisbar ab 1910

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Der Fasanenkrug

Obwohl der Fasanenkrug nicht zu Isernhagen gehört, sondern noch auf der Gemarkung von Bothfeld liegt, ist er doch während der gesamten Zeit seines Bestehens ein nicht wegzudenkender Teil von Isernhagen-Süd.

Auf dem Gelände des heutigen kleinen Einkaufszentrums an der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 9 (Fasanenkrug) könnte aufgrund von Münzfunden vermutet werden, dass hier bereits im Mittelalter gesiedelt worden sei. Nachweisbar allerdings ist erst ein altes Gasthaus aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, in dem hannoversche Ausflügler und die Jägerschaft Einkehr hielten.

Der alte Krug stammte nach Schätzungen von Denkmalschützern aus der Zeit um 1840. Nachweisbar ist das Gebäude in der Preußischen Landesaufnahme von 1897, wo es als Wirtshaus bezeichnet wird. Neben dem Fasanenkrug befand sich der kleine Bauernhof von Fritz Ebel.

Noch 1924 wird im Zusammenhang mit diesem Hof von einem Bauern Ebel gesprochen, der vor allem in Bothfeld den Müll abholte und die festen Teile wie Scherben, Dosen etc. auf den Feldwegen zur Befestigung verteilte oder stillgelegte Wassergräben damit zuschüttete. Die Landwirtschaft wurde danach eingestellt und es entstand dort das kirchliche Freizeit- und Erholungsheim „Haus Waldeseck“.

Fasanenkrug und Bauernhof lagen nicht auf der Gemarkung des Kreises Burgdorf, sondern noch auf dem Gebiet von Bothfeld.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der Fasanenkrug zu einem beliebten Ausflugslokal für die Hannoveraner entwickelt. Grund hierfür war vor allem der Ausbau des Straßenbahnnetzes der Stadt Hannover. 1897 wurde Buchholz angeschlossen und man konnte von hier aus auf einer Wanderung im Fasanenkrug einkehren. Entscheidender allerdings für die Entwicklung der Gastwirtschaft zum blühenden Ausflugslokal war die Fertigstellung der Straßenbahnlinie „Markthalle-Buchholz-Isernhagen-Burgwedel“ im Jahr 1901. Der Fasanenkrug bekam eine Haltestelle direkt vor der Tür.

Während es wohl noch bis 1913 einigermaßen gemütlich zuging, entwickelte sich das Wirtshaus danach zum führenden Ausflugslokal im Nordosten Hannovers. In der Mitte der 30-er Jahre erlebte es seine Blütezeit. Der Besuch des Fasanenkrug wurde zum Erlebnis. Die Besucher schätzten den Fasanenkrug inmitten der herrlichen Wald- und Heidelandschaft, mit den inzwischen entstandenen Obstplantagen und der Obstbaumallee entlang der Prüßentrift. Ein Restaurant für die Aussenbewirtschaftung entstand mit einem weiträumigen, parkähnlichen Kaffeegarten mit einer Fasanerie, einem Wildgatter, Goldfisch- und Schwanenteichen und Blumenrabatten.

Nachweisbar ist noch bis 1910 die Eigentümerin, Frau Dore Paß. Nach der Familie Paß wurde auch lange Zeit das Wirtshaus an der Grenze von Bothfeld zur Gemarkung Burgwedel „Paß-Grenze“ genannt. Das Lokal war allerdings verpachtet. Pächter war zu dieser Zeit Fritz Meyer.

Am 13.06.1910 erwarb Heinrich Wittel den Fasanenkrug und bewirtschaftete ihn. Anfang der 20-er Jahre übernahm Heinrich Schnur das Lokal und ab 1929 für kurze Zeit führte die Gebrüder Hans und Christian Peters die Geschäfte. Um 1931 war neuer, alter Besitzer Heinrich Schur ( oder dessen gleichnamiger Sohn?), der mit dem Partner Gottlieb Lubeck das Lokal bis Mitte der 30-er Jahre betrieb. Dann trennten sich die beiden und Gottlieb Lubeck blieb bis zum Ende des 2. Weltkrieges.
Auch nach dem 2. Weltkrieg war der Fasanenkrug wieder ein beliebtes Ausflugsziel. Von 1953 bis zur Schließung im Jahr 1985 führte die Familie Bonfert das Lokal. Zunächst konnten bis zu 3000 Gäste im Garten und 200 Besucher im Saal bewirtet werden.

Später wurde die Bewirtschaftung im Garten verkleinert. Der herrliche Kaffeegarten mit der sieben Meter hohen beleuchteten Kaiserfontaine blieb lange noch Anziehungspunkt der Hannoveraner. Auf dem großen Teich schwammen Schwäne und Enten, und Herr Bonfert hielt sogar auf dem weiträumigen Gelände neben anderen Tieren 3 zahme Füchse. Vor dem Saal des Fasanenkrugs befand sich damals noch eine Tankstelle, an der mit einer Handpumpe Benzin in die Fahrzeuge der Ausflugsgäste gepumpt wurde
Der große Saal bot reichliche Möglichkeiten für Tanz und Feiern. Selbst die Einschulung der Kinder in der Grimsehlweg-Schule wurde hier durchgeführt.
1985 kam das Aus für dieses alte Ausflugslokal. Bis 1990 stand das Anwesen leer.
Am Dienstag, dem 24 April 1990 stand der Fasanenkrug in hellen Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Es wurde Brandstiftung vermutet, aber der Sachverhalt nach Aussagen der Familie Bonfert nie aufgeklärt.
Ein Jahr später entstand an der Stelle des alten Fasanenkrugs ein neues kleines Einkaufszentrum.
Als Nachfolger des Fasanenkrugs ist gegenüber dem alten Speicher das „Bistro am Fasanenkrug“ gebaut werden, wo man im Sommer am „Hexenhaus“ bei Bier und Grillspezialitäten wunderbar im Biergarten sitzen und genießen kann.
Dieses Bistro wechselte anfangs sehr schnell seine Besitzer. Als erster Pächter bewirtschafteten Herr und Frau Holzapfel das Lokal, später führte es Herr Detlev Holzapfel alleine weiter.
Dann folgte Matthias Rowolt und ab 24.03.1998 Oldus Wolfgang Weisser.
Ihm folgte bis zum 7.7.2003 Peter Schneider.
Ab da verwöhnt Serkan Solga, von allen Gästen „Musti“ genannt, mit seiner liebenswürdigen Art seine Besucher.